POST AM ROCHUS – Stadtbaustein und Arbeitswelt

Am Rochusmarkt in Wien, zentrumsnah und gut sichtbar von der belebten Landstraßer Hauptstraße aus, haben Schenker Salvi Weber mit feld72 für die Österreichische Post ein generöses Büro- und Geschäftsgebäude errichtet. Das 2017 fertiggestellte und mehrfach ausgezeichnete Projekt kann nun erkundet werden.

 

Die Struktur der Fassade aus Betonfertigteilen nimmt die Lisenen des denkmalgeschützten Bestandsbaus sowie deren horizontale Gliederung auf. Das Lochmuster in einigen der Fensterlaibungen, so Michael Salvi, war ursprünglich eine romantische Referenz an die Fassade der Postsparkasse von Otto Wagner. Es wurde weiter entwickelt, inzwischen dienen die Löcher der zusätzlichen Belüftung der Büros: Von Hand kann eine schmale Tür zum hohlen Inneren der gelochten Stützen geöffnet werden. In den für desksharing konzipierten Großraumbüros stehen Tischgruppen an den bodentiefen Fenstern, Glasboxen mit Vorhängen ermöglichen konzentriertes Arbeiten. Die Möbel, die den Raum gliedern, sind durch Stoffbespannungen oder Mikroperforierungen auch akustisch wirksam.

 

Die Platzebene des Rochusmarktes wird als Shoppingmall im Gebäude fortgesetzt und bindet als öffentlicher Durchgang den Grete-Jost-Park an, gestaltet von DnD Landschaftsarchitektur, wie auch die Innenhöfe und Terrassen. Vom Park aus fällt die überbreite und -tiefe Lichtfuge zwischen Bestand und Neubau auf, eine von Tageslicht geflutete Erschließungsschicht. Hier entstand ein eigenständiger, kommunikativer Raum. Das gesamte Lichtkonzept ist von Christian Ploderer. Peter Kogler, Brigitte Kowanz, Hans Kupelwieser und Constantin Luser schufen Kunstwerke, die die Nutzung reflektieren und den Dialog mit der Architektur suchen.

 

Text: Gerald A. Rödler

 

Monographie: Schenker Salvi Weber, Quart Verlag, 2018

 

Auszeichnungen: u.a. Staatspreis Architektur 2018, Office of the Year Award 2017, AiT Award 2018, Best Architects Award 2019